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Bitte noch eine Runde im Kreis
Die neue Dynamik der Märkte

Die Veränderungen von Klima und Umwelt gewinnen im öffentlichen Interesse immer mehr an Bedeutung. Um diesen neuen Herausforderungen zu begegnen, sind tiefgreifende Schritte notwendig, die dazu führen, dass Nachhaltigkeit zu einem Kernthema in Geschäftsmodellen wird. Diese Entwicklung verändert unser Wirtschaftssystem. Während bewährte lineare Geschäftsmodelle zunehmend an Bedeutung verlieren, steht ein neues Zeitalter bevor – die Zeit der Kreislaufwirtschaft. Und die bricht gerade erst an.

BEITRAG VON

Jürgen Mühlbacher
Strategist

DA IST DOCH DER WURM DRIN

Noch ist der Begriff der Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy nicht breitenwirksam gängig, und doch nimmt er im geplantem Green New Deal, einem Investitionsvorhaben zur ökologischen Wende auf EU-Ebene, eine Schlüsselrolle ein. Laut einem Bericht von Euractiv ist Circular Economy sogar das wichtigste Mittel auf dem geplanten Weg zur Klimaneutralität des Kontinents. Dabei ist das Konzept nicht per se neu und beruht auf den Grundprinzipien der Natur. Ein Anschauungsbeispiel: Bäume nutzen bekannterweise Nährstoffe aus Luft und Boden, um Früchte wie Äpfel wachsen zu lassen. Würmern dienen diese wiederum als Nahrungsquelle, bis diese selbst von Vögeln gefressen werden. In ihrer Gesamtheit bildet die Natur also einen in sich geschlossenen Kreislauf.

 

Die (wirtschaftliche) Circular Economy basiert auf denselben Grundprinzipien. Im Gegensatz zur Linearwirtschaft, in der Produkte produziert, verwendet und anschließend entsorgt werden, sollen Rohstoffe in einem geschlossenen Kreislauf bleiben, um so nachhaltigen Mehrwert zu generieren.

 

 

GEFANGEN IN DER ENDLOSSCHLEIFE

Die drei wichtigsten Ziele dabei sind das effiziente Einsetzen von Ressourcen, ein Erhöhen von Nutzungs- beziehungsweise Lebensdauer der Produkte und das Wiederverwerten von Abfallprodukten. Durch diese neuen Zielsetzungen verändern sich nicht nur Geschäftsmodelle, sondern es bieten sich vielerlei Möglichkeiten, bestehende weiterzuentwickeln oder komplett neu zu konzipieren.

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MAKE

Am Beginn jedes Produktzyklus steht ein Rohstoff. Im Gegensatz zum linearen Modell wo dieser immer wieder neu gewonnen werden muss, kommt dieser im Kreislaufmodell aus recycelten oder nachwachsenden Quellen. Bereits im Design des Produktes gilt es dabei zu beachten, dass dieser auch in Zukunft wiederverwertet werden kann. Wie das gehen kann, zeigt Adidas mit ihrem Futurecraft-Konzept. Sportschuhe werden produziert, genutzt, danach im Shop abgeben, eingeschmolzen und wieder zu neuen Schuhen verarbeitet. So bleibt der Kreislauf geschlossen und Ressourcen geschont. Und in der Produktion liegt der Fokus ebenfalls darauf, möglichst wenig non-sustainable Rohstoffe zu verwenden und Abfall zu vermeiden.

 

 

USE

Wie dies Geschäftsmodelle beeinflusst, wird besonders im Zyklus des Verwendens deutlich. Langlebige Produkte haben es im Moment bedeutend schwieriger, sich im Niedrig-Preissegment zu behaupten, da die Produktion derselben in der Regel mit einem höheren Kosteneinsatz verbunden ist. Ein Ansatz dieses Problem zu lösen ist das Modell Product as a Service. Philipps nutzt diese Methode, um Kunden hochwertige Beleuchtungssysteme gegen Gebühr zu vermieten. Bei Pay per Lux bezahlen die Kunden nur für die effektive Nutzungsdauer, ohne die Lampen zu erwerben.

 

Doch nicht nur das Erhöhen der Lebensdauer, sondern auch die längere Nutzung von Produkten spielt in der Circular Economy eine wichtige Rolle. Eine Möglichkeit dazu stellt die Shared Economy dar. Dabei wird ein Produkt von mehreren Nutzern verwendet, ohne, dass diese es besitzen. Anschaffungs- und Wartungskosten entfallen dabei, während die Nutzungsdauer des Produktes zunimmt. Wie kreativ sich das einsetzten lässt, zeigt Maxima.at.

 

Warum sollte man sich Kinderkleidung kaufen, wenn die Kleinen unaufhörlich wachsen und immer wieder neue Kleidung benötigen, dachten sich die Gründer. Die Lösung ist ein Onlineshop, wo man das benötigte Kleidungsstück einfach mieten kann. Wachstumsschübe der Kleinen sind also kein Problem mehr und Eltern sparen sich auch noch Geld dabei.

 

Eine weitere Möglichkeit ist die Erhöhung der Lebensdauer durch Reparaturen und Wartung. Das hält Produkte nicht nur länger im Kreislauf, sondern erspart den Kunden ein lästiges sowie langfristig kostspielige Austauschen. Und wenn wir ehrlich sind, ist es doch das, was wir uns wünschen – dass Produkte lange problemlos funktionieren. Man benötigt natürlich nicht alle Produkte für ihre gesamte Lebensdauer. Wenn also etwas noch funktioniert aber nicht mehr gebraucht wird, kann es weiterverkauft werden. Rebuy aus Deutschland hat dafür eine Plattform geschaffen, die alte Bücher und DVDs ankauft. Kunden können dabei den Strichcode scannen und erhalten automatisch einen Kaufpreis. Werden diese dann eingeschickt erhalten sie bares Geld und die Bücher einen neuen Leser.

 

 

DISPOSE OR RE-USE? DISPOSE AND RE-USE!

Ist ein Produkt am Ende seines Lebenszyklus angekommen, heißt es in der linearen Wirtschaft ab auf die Deponie, doch auch hier bilden sich in der Kreislaufwirtschaft neue Geschäftsmodelle. Das Wiener Unternehmen Refurbed nutzt die Möglichkeit des Upcyclings und kauft gebrauchte Elektrogeräte. Diese werden getestet, repariert und im Anschluss wiederverkauft. Auch die Abfallprodukte aus der Produktion können einen wertvollen Rohstoff darstellen. Und wie beim Wurm bleiben wir auch diesmal beim Apfel. Wisefood nutzt nämlich die Apfelreste von Saftpressen, um Strohhalme herzustellen. Am letzten Punkt des Kreislaufsystems steht das klassische Recycling. Aus dem Abfall werden neue Rohstoffe gewonnen und wiederverwertet. So schließt sich der Kreis.

 

 

NEUE TECHNOLOGIEN – NEUE GESCHÄFTSMODELLE

Die neuen Gegebenheiten einer immer stärker belasteten Umwelt zwingen uns also zum Umdenken und Ändern unserer Gewohnheiten. Wer smart ist, sieht hier unzählige Anwendungsfelder, denn eines ist klar – wenn Produkte länger leben müssen sich die Geschäftsmodelle ändern. Dass dies sehr positiv sein kann, sieht man am Pay-per-Lux-Modell. Das Unternehmen kann dadurch nicht nur hochwertige Produkte anbieten, sondern gleichzeitig neue Kundengruppen erreichen, die bereit sind eine geringe monatliche Gebühr zu bezahlen. Und für den Kunden ist es eine Erleichterung, da Wartung und Reparatur von Phillips übernommen werden. Dadurch kann es das Unternehmen sogar mit Billiganbietern aufnehmen, die dieses Service nicht anbieten.

 

Auch die Verwendung neue Technologien eröffnet weitere Möglichkeiten. Das steirische Startup Greenhive hat ein System entwickelt, bei dem Drohnen automatisiert Pflanzenschutzmittel auf Weintrauben aufbringen. Dadurch können Pflanzenschutzmittel gezielter und effizienter eingesetzt werden was wiederum weniger Umweltbelastung und geringere Kosten für den Winzer bedeutet. Um diese neue Technologie breitenwirksam einsetzbar zu machen könnte Greenhive das Geschäftsmodell als Fertilize as a Service aufbauen. Winzer hätten die Möglichkeit sich das Besprühen ihrer Reben für einzelne Tage zu buchen, ohne das gesamte Equipment besitzen zu müssen. Dies ist nur ein Beispiel, wie Kreislaufwirtschaft funktioniert und unser lineares Wirtschaftsmodell verändern kann.

 

 

GESCHÄFTSMODELLE ENTWICKELN SICH WEITER – IHRES AUCH?

Die Circuclar Economy hat das Potenzial viele Geschäftsmodelle grundlegend zu optimieren. Besonders für KMUs ergeben sich dabei neue Möglichkeiten, sich von Konkurrenten abzugrenzen und effizienter zu produzieren. Um das volle Potenzial auszunutzen empfiehlt es sich, das bestehende Geschäftsmodell zu durchleuchten, um rauszufinden, an welchen Punkten die Implementierung von Facetten der Circular Economy Sinn macht. Denn auch hier gilt es primär, smarte Adaptierungen vorzunehmen anstatt die PR-Bombe platzen zu lassen.

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