AckerBox Geschäft (Pressebild)

VOM ACKER IN DIE BOX
11 Quadratmeter Regionalität

Ein modernes digitales Shop-Konzept könnte die Lücke in der Nahversorgung schließen – und setzt dabei auf Regionalität und Nachhaltigkeit.

Beitrag von

FYNN Mitarbeiter Manuel Saxl
Manuel Saxl
Strategist

Eine große, schwarze Box steht in Spittal an der Drau. Von außen wirkt sie wie ein unscheinbarer Schiffscontainer. Drinnen aber verbirgt sich ein cleveres und innovatives Geschäftskonzept.

 

Die Idee der regionalen Einkaufsbox stammt von den zwei Gründern und Tüftlern Christoph Raunig und Patrick Kleinfercher. Bekannt wurden die beiden Kärntner im Jahr 2018 durch das Puls4-Format 2 Minuten 2 Millionen, wo sie von Investoren für ihr Ackerprojekt 150.000 Euro einsammeln konnten.

 

Denn, bevor der regionale Shop war, war das regionale Gemüse. Im Dezember 2015 hoben Raunig und Kleinfercher das Projekt myAcker aus der Taufe. Die Idee dahinter: über eine Internetplattform kann jeder zum Gärtner werden – von zu Hause aus.

 

 

GARTELN OHNE GARTEN

Über die Plattform von myAcker mietet man sich eine Ackerfläche an, auf der man dann sein eigenes Gemüse anbaut. Bequem von zu Hause aus. Über eine interaktive Plattform wählt man Gemüse, das gepflanzt werden sollen. Gibt Anweisungen zum Gießen und Unkraut jäten. Es ist ein wenig wie Tamagotchi, mit Salatpflanzen statt niedlicher Tierchen. Dabei ist man nicht allein. Sensoren im Boden schlagen Alarm, wenn die Erde zu trocken und es Zeit zum Gießen wird – und die Gärtner vor Ort, der Remote-Acker befindet sich in Spittal an der Drau, kümmern sich dann um die Umsetzung der getätigten Aktionen. Über eine Kamera kann man das Wachsen und Gedeihen des eigenen Ackerstücks beobachten.

 

Gestartet ist das Projekt 2017 mit einer Testsaison und 25 Ackerabschnitten. In der Testphase wurden Abläufe weiter optimiert. Ein Jahr später wurden dann schon 400 Gärten und eine Ackerfläche von 2,5 Hektar bestellt. In der Saison 2019 expandierte das Start-Up in die Niederlande. Dort werden 8 Hektar Land unter dem Namen „Mijn Boerderijtje“ (Mein kleiner Bauernhof) für niederländische Online-Gärtner gehegt und gepflegt.

 

Im August gleichen Jahres folgte die eingangs erwähnte schwarze Box, die seitdem in Spittal an der Drau steht. Mittlerweile gibt es 14 aktive Standorte solcher AckerBoxen. Knapp 770.000 Produkte wurden dort verkauft und insgesamt fast 235.000 Einkäufe getätigt. Das heißt, im Schnitt holen sich die Kunden 3 Produkte pro Einkauf aus dem Einkaufscontainer. Die Boxen ersetzen den kleinen Dorfladen und stellen damit eine Ergänzung zum größeren Wocheneinkauf dar. Der vor allem in peripheren Regionen, ohne schnell und bequem zu erreichendem Supermarkt, meist groß und einmalig ausfällt.

 

 

EIN HAUCH VON AMAZON

Der Online-Riese Amazon experimentiert seit Jahren mit Lebensmittelgeschäften ohne Verkäufer und mit automatisiertem Bezahlsystem. Erst kürzlich eröffnete Amazon seinen ersten digitalen Laden in Supermarkt-Größe. Mit 2.300 Quadratmetern ist er wesentlich größer als die zuvor betriebenen Testsupermärkte mit 110 Quadratmetern. Das lag vor allem daran, dass die Technik bei größerer Kundenanzahl Probleme machte. Denn in den Amazon-Supermärkten nehmen die Kunden die Artikel einfach aus den Regalen und verlassen das Geschäft. Den Rest übernehmen Kameras, Sensoren und Algorithmen. Ganz so disruptiv ist das Konzept der Acker-Boxen nicht.

 

Dennoch ist es gelungen, ein Selbstbedienungs-Konzept für hochwertige und regionale Produkte mitsamt innovativem Shopsystem zu entwickeln.

 

Auf 11 Quadratmeter Ladenfläche werden in den Einkaufsboxen regionale Lebensmittel und Erzeugnisse angeboten. Der örtliche Bäcker bringt das Brot vorbei, der Bauer sein Gemüse. Jeden Tag frisch, regional und mit kurzen Wegen. Die Kunden können drinnen die Produkte ganz einfach an einem Terminal einscannen und dann bezahlen. Mitarbeiter oder Verkäufer? Fehlanzeige.

 

 

 

 

REGIONALE ERGÄNZUNG

Die Boxen sollen nicht den Supermarkt obsolet werden lassen, sondern peripheren Regionen einen Nahversorger und lokalen Produzenten Absatzmöglichkeiten ermöglichen. Das sieht auch der deutsche Lebensmittelkonzern Rewe so. Dieser ging mit myAcker eine Kooperation ein. Seit 1. April stehen in Kärnten vier sogenannte Billa-Regional-Boxen. In den Boxen werden rund 200 Artikel angeboten, darunter auch Erzeugnisse von lokalen Produzenten aus der Nachbarschaft, Reinigungs- und Hygieneartikel.

 

Billa sieht darin die Möglichkeit, Orte und Dörfer mit Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen, in denen es oft keine Nahversorger mehr gibt. Das Einkaufssystem ist dasselbe wie bei den Boxen von myAcker. Der Kunde nimmt sich die Produkte aus den Regalen, scannt sie mittels Barcodes ein und bezahlt dann am Zahlungsterminal bar, mit Bankomat- oder Kreditkarte.

 

Mitarbeiter einer nahegelegenen Billa-Filiale schauen in den Containern täglich nach dem Rechten, füllen Produkte auf und reinigen diese. Ähnlich wie bei der Acker-Box richtet sich Billa sehr auf regionale Anbieter des täglichen Bedarfs aus. So können Kleinproduzenten oder Bauern aus der unmittelbaren Umgebung, die sonst zu geringe Mengen für die Listung im Handel herstellen, ihre Produkte im Container zum Verkauf anbieten. Für Dörfer und periphere Regionen sind diese Einkaufsboxen Gelegenheiten die Attraktivität ihrer Orte zu steigern und sie vor dem Aussterben zu bewahren.

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