Digitale Unternehmenskultur

DIGITALE UNTERNEHMENSKULTUR
Eine Frage der Einstellung

Mit Hilfe neuer Technologien rüsten „Digital Leaders“ ihr Unternehmen für die Zukunft. Doch dafür brauchte es weitaus mehr als ein paar Elektronikgeräte. Wir zeigen, worauf es ankommt.

BEITRAG VON

Thomas Oberrauch
Strategist

Jedes Unternehmen besitzt sie: die Unternehmenskultur. Sie ist ein enges Geflecht aus Normen, Werten und Vorstellungen. Die Unternehmenskultur bildet das Selbstverständnis des Unternehmens: Welche Mission es verfolgt, wie es sich nach außen darstellt und wohin es sich entwickeln möchte. Aber auch der Umgang mit den ArbeitnehmerInnen spiegelt sich in der Unternehmenskultur wider. An ihr orientieren sich Angestellte und Führungskräfte.

 

Gleichzeitig gestalten die MitarbeiterInnen selbst – mal mehr, mal weniger – die Unternehmenskultur mit. Wie viel Einfluss die Angestellten haben, bestimmt die Geschäftsführung. Sie besitzt das letzte Wort im Unternehmen und gibt die Richtung vor. Mut und Wille zum „Cultural Change“ bilden das Fundament für Wandel und langfristigen Unternehmenserfolg. Bei der digitalen Unternehmenskultur ist das nicht anders.

 

 

EIN GEMEINSAMES ZIEL

Künstliche Intelligenz und Automatisierungsverfahren bergen enorme Potentiale. Doch Veränderung beginnt immer beim Menschen und seiner Denkweise. Schließlich muss die Software zuerst gekauft werden, bevor sie etwas bewirken kann. Führungskräfte, die ihr Unternehmen wandeln möchten, benötigen vor allem eines: Digital Leadership. Als „Digital Leader“ gehen Führungskräfte mit gutem Beispiel voran. Sie zeigen sich offen für neue Technologien und sind mit diesen vertraut. Manche Tools nutzen sie im Alltag auch selbst. Dadurch erkennen sie sinnvolle Trends, die sie dann rasch im Unternehmen vorantreiben.

 

Gute Digital Leader verstehen, dass die MitarbeiterInnen ein wichtiges Puzzleteil der digitalen Unternehmenskultur sind. Deshalb wollen sie diese mit einer transparenten Digitalisierungs-Strategie und einem agilen Führungsstil begeistern. In diesem Arbeitsumfeld bringt jede(r) MitarbeiterIn seine individuellen Stärken ein und wirkt aktiv am Wandlungsprozess mit. Von Seiten der Unternehmensführung wird autonomes Lernen und Arbeiten aktiv gefördert. Im Gegenzug wird von den Angestellten eigenverantwortliches Arbeiten und Aufgeschlossenheit für neue Ideen erwartet.

 

Genauso wie das Unternehmen als Ganzes, soll auch der MitarbeiterInnen als Einzelner kontinuierlich lernen und wachsen. Scheitern ist dabei ein wichtiger und notwendiger Prozess. Den MitarbeiterInnenn soll nicht nur die Angst vor Veränderungen, sondern auch vor Fehlern genommen werden. Zusätzlich sollen sie zu mehr Offenheit und Risikobereitschaft ermutigt werden. Es herrscht eine offene Feedbackkultur, in der die MitarbeiterInnen regelmäßig Probleme ansprechen und Ideen einbringen dürfen.

 

 

BIG DATA IS YOUR FRIEND

In der digitalen Unternehmenskultur gilt Kooperation anstatt Ellenbogen-Gesellschaft. Einerseits unterstützen sich MitarbeiterInnen gegenseitig und sammeln das neu gewonnene Wissen in internen Wikis. Dieses Wissensdatenbank wird allen Mitarbeiten bereitgestellt. Andererseits sorgen zeitlich begrenzte, interne Einsätze von Angestellten in anderen Abteilungen (Hospitationen) dafür, dass MitarbeiterInnen Unternehmensprozesse und -vorgänge noch besser verstehen lernen. Auch bei Aufgaben und Projekten steht der Team-Effort im Vordergrund. Hier werden projektabhängige Teams gebildet, deren Ergebnisse kollektiv betrachtet und bewertet werden.

 

Bewertet werden auch die Kundeninteraktionen. Denn digitale Unternehmenskultur geht einher mit Datensammlung. Sei es das interne Erfassen des Mitarbeiterfeedbacks oder die externe Sammlung von Kundendaten. Das geschieht über digitale Touchpoints – also all jenen Punkten, an denen der Kunde mit dem Unternehmen direkt oder indirekt in Kontakt kommt (wie Werbeanzeigen, Support-Anfragen oder Webshop-Bestellungen). Diese Datenströme werden gebündelt, verarbeitet und zur Gewinnung neuer Erkenntnisse genutzt. Für Unternehmen in hart umkämpften Branchen eröffnen sich so neue Wege, sich von der Konkurrenz durch eine verbesserte Customer Experience abzuheben.

 

Ein gutes Beispiel für kundenzentriertes Denken ist der belgische Schokoladenhersteller Neuhaus. Dieser baute Schritt für Schritt eine zusätzliche Onlinepräsenz, die dem analogen Shopping-Erlebnis in nichts nachsteht, aber dieses nicht ersetzt, sondern ergänzt. Dabei wurde die persönliche Verkaufsberatung vor Ort durch ein personalisiertes Angebot ersetzt. Hierfür werden Daten zum Nutzer- und Kaufverhalten auf der Neuhaus-Webseite (und dem zugehörigen Webshop) gesammelt. Aus den festgehaltenen Informationen werden daraufhin Empfehlungen abgeleitet. Die Kunden erhalten so z.B. individuelle Produktempfehlungen direkt ins E-Mail-Postfach. Oder sehen auf der Webseite Bilder und Texten, die sie zu jenen Produkten führen, die zu ihnen passen.

 

Über den Webshop werden vor allem jüngere Kunden angesprochen, die sich vor dem Kauf ausführlich informieren möchten. Für diese Zielgruppe wurde ein Chatbot eingerichtet. Dieser beantwortet Fragen zu Produkten oder gibt Auskunft zur Arbeitsweise des Unternehmens (bspw. zu den Themen Nachhaltigkeit).

 

 

WIN-WIN-WIN-SITUATION

Die digitale Unternehmenskultur ist keine Revolution, die schlagartig eintritt und dann abgeschlossen ist. Es ist eine agile Arbeitsweise, die vom Einsatz aller Personen in einem Unternehmen lebt und bedürfnisorientiert angepasst wird. Ein Mehraufwand, der sich lohnt. Denn die Vorteile sind vielfältig.

 

Durch die konstante Einbindung der MitarbeiterInnen identifizieren sich diese verstärkt mit dem Arbeitgeber. Gleichzeitig stärkt die Arbeit in Teams den Zusammenhalt und fördert den Wissenstransfer. Das Unternehmen profitiert von zufriedeneren, produktiveren, kreativen Angestellten mit mehr Know-How – und einer attraktiven Positionierung am Arbeitsmarkt!

 

Am Produktmarkt fördern digitale Tools den Dialog mit dem Kunden. Dieser wird gezielter serviciert, indem Kaufhindernisse beseitigt und interessante Kaufempfehlungen gegeben werden. Das steigert die Zufriedenheit des Kunden und die Verkaufszahlen des Unternehmens. Sozusagen eine Win-Win-Win-Situation, von der Unternehmen, MitarbeiterInnen und Kunden profitieren.

 

Eine Blaupause für den „Kulturwandel“ gibt es nicht. Ein Digital Leader braucht eine Change Management-Strategie, die auf die Bedürfnisse der Organisation zugeschnitten ist. Unabhängig der Strategie braucht es einen klaren Plan, hinter dem alle MitarbeiterInnen stehen. Denn Veränderung beginnt noch immer beim Menschen.

Zwei Menschen befüllen eine Gorillas-Tasche (Pressebild)

DANKE FÜR IHRE BESTELLUNG

Einkauf war gestern – heute wird geliefert

Start-Ups wie Gorillas, Flink oder Gurkerl schicken sich an, das Einkaufen überflüssig zu machen. Kann das gelingen?
Mehr lesen
blogartikel_tj_titelbild

AGILE LEADERSHIP
Mehr Mindset als Methode
 

Agil zum Ziel – Agile Teams sind derzeit ein beliebtes Framework, um Produktivität und Innovation zu fördern. Viele Unternehmen können durch Agilität auf die Herausforderungen des ...
Mehr lesen
fynn_blog_digital_thinking_beitragsbild

DIGITAL THINKING
Geschäftsmodell Digitalisierung.

Ob Online-Business, Artificial Intelligence, Virtual Reality oder Internet of Things: unser Leben wird zunehmend digitaler. Und das bringt Vorteile. Neben der Vereinfachung und ...
Mehr lesen
Aus Seekyou wird
FYNN
Was bleibt: schlaue Köpfe, fokussierte Themenexpertise und Leidenschaft für Zukunft.
Ihr Browser wird nicht unterstützt!

Sie benutzen einen veralteten Browser, für den unsere Website nicht optimiert ist. Bitte installieren Sie einen der folgenden Browser: