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Blockchain im Omnibus
Der öffentliche Nahverkehr wird digital

Die Urbanisierung hält an – davon ist die OECD überzeugt. Und spricht vom „Jahrhundert der Metropolen“. Laut Schätzungen der Organisation, soll der Anteil der in Städten lebenden Bevölkerung, bis 2100 auf 85% anwachsen. Die zunehmende Belastung der öffentlichen Infrastruktur, stellt eine steigende Gefahr für die Lebensqualität der Menschen dar. Mit Blockchain muss es aber nicht so weit kommen.

BEITRAG VON

Thomas Oberrauch
Strategist

Ob eine Stadt lebenswert ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Die Anzahl der Grünflächen, die medizinische Versorgung, Mietpreise. Aber auch von der Qualität des öffentlichen Personennahverkehrs. Öffentliche Verkehrsmittel bilden das Rückgrat großer Städte, auf die sich die Stadtbewohner verlassen, um ihren Alltag geregelt führen zu können. Schließlich fehlt für ein eigenes Auto oftmals der Platz auf den ohnehin schon überfüllten Straßen. Doch viele Städte leiden unter veralteten Infrastrukturen, die für die enorme Herausforderung der Urbanisierung und den nicht nachlassenden Touristen-Strömen nur mangelhaft gerüstet sind. Um die Menschenmassen bewältigen zu können und für die Bevölkerung als plausible Option gegenüber dem Auto interessant zu bleiben, müssen die Verkehrsdienste rasch mitwachsen.

 

Voraussetzung für ein zufriedenstellendes Verkehrssystem bilden ein übersichtliches und unkompliziertes Ticketing-System, sowie genügend Anbindungen, die in regelmäßigen (und möglichst kurzen) Zeitabständen die Stationen anfahren. Ein häufiges Problem ist zudem die Vereinheitlichung der Ticketing-Systeme verschiedener Verkehrs-Dienstleister. Abhilfe könnte eine unabhängige, transparente Datenbank schaffen, die von allen Anbietern gleichwertig verwaltet werden kann. Womöglich haben Sie’s schon erraten: Die Rede ist von Distributed-Ledger-Technologien (DLTs), zu denen auch Blockchain gehört.

 

 

VERTRAUEN SENKT KOSTEN UND ZETTELWIRTSCHAFT

Europäischer Vorreiter im Ticketing-Bereich ist Spanien. Wenn es nach der Banco Santander geht, sollen schon bald alle Nahverkehrs-bezogenen Zahlungen in Madrid über eine einzige Blockchain-basierte App abgewickelt werden. Für den Endbenutzer ist die Anwendung simpel: App herunterladen, registrieren und schon kann das volle Verkehrsangebot der Stadt genutzt werden. Eine deutliche Erleichterung für die Kunden, denn die rund 30 großen Verkehrsanbieter der Stadt verfügen fast alle über eine eigene App samt Zahlungsmodalität. Bisherige Versuche einer einheitlichen Lösung scheiterten am fehlenden Vertrauen. Schließlich ist kein Unternehmen dazu bereit, einer fremden Plattform beizutreten und so eine Abhängigkeit zu einem Konkurrenten zu entwickeln.

 

Mit Blockchain ist das anders: Die Datenbank wird von allen Partnern gleichberechtigt betrieben, was vor Missbrauch und Übervorteilung schützt. So sparen sich die Unternehmen nicht nur die Arbeit einer eigenen Plattform, sondern auch ordentlich Kosten. In der chinesischen Region Shenzhen gibt es ähnliche Pläne eines Ticketing-Systems wie in Madrid. Die jährlichen Einsparungen durch Blockchain belaufen sich dort auf 60.000 Euro – allein für das eingesparte Papier. Enormes Einsparungspotential also, für China, Asien und die Welt.

 

 

DATENSAMMLUNG: KUNDEN LEBEN BESSER, BUSSE LEBEN LÄNGER

Auch in der Wartung kann viel Geld eingespart werden. Materialermüdungen bei Fahrzeugen sind ein häufiges Problem im öffentlichen Nahverkehr und sorgen für lästige Fahrtausfälle. Es kommt auf die rechtzeitige Wartung an. Sensoren können als Frühwarnsysteme sicherstellen, dass die Fahrzeuge gewartet werden, wenn es nötig wird. Meist sind an der Reparatur verschiedene Akteure beteiligt. Da wäre zum Beispiel einmal das Büro der Betreibergesellschaft auf der einen Seite und die Reparatur-Werkstatt auf der anderen Seite. Die Informationen zum Problem können per Blockchain schnell zwischen beiden Seiten geteilt werden. Die Reparatur kann dank der schnellen Kommunikation reibungsloser abgewickelt werden.

 

Die Folge: weniger Frust bei den wartenden Fahrgästen und niedrigere Kosten für die Unternehmen, da schwere Fahrzeugschäden verhindert werden. Wäre die Blockchain auch noch öffentlich einsehbar, würde sich ein weiterer Synergieeffekte für die Verkehrsbetriebe ergeben. Einerseits zu den Fahrgästen hin. Diese könnten sich eigenständig über die erfolgten Reparatur- und Wartungsarbeiten informieren. Andererseits bietet der freie Daten-Zugang die Chance für unabhängige Auditings. Externe Experten und Einrichtungen so zusätzlich bei möglichen Problemen als Frühwarnsystem behilflich sein. In beiden Fällen würden das Ansehen und das Vertrauen der Fahrgäste in die öffentlichen Verkehrsbetriebe steigen.

 

 

ANREIZSYSTEME SCHAFFEN

Wer aufmerksam durch die Städte geht, sieht eine Vielfalt an Fortbewegungsmitteln. Die jüngste E-Scooter-Flut ist da nur ein weiterer Trend, der seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt. Nichtsdestotrotz können sie helfen, die Verkehrsadern der Städte umweltschonend zu entlasten. Stadtverwaltungen könnten ein Belohnungssystem betreiben, das über eigens geschaffene Tokens auf der Blockchain verfügt. Diese Tokens besitzen entweder einen monetären Wert (können also für die Landeswährung eingetauscht werden) oder gelten als Gutscheine für Leistungen der öffentlichen Hand.

 

Dass solche Anreizsysteme funktionieren können, macht die italienische Hauptstadt vor. Als erste europäische Hauptstadt verfügt Rom über ein System, das alte Plastikflaschen in Nahverkehrs-Tickets umwandelt. Die alten Plastikflaschen können an eigens aufgestellten Pfandautomaten für Tickets umgetauscht werden. Ähnliche Szenarien sind auch unter Einsatz der Blockchain-Technologie vorstellbar, bei der die Bevölkerung dazu ermutigt wird, das eigene Auto stehen zu lassen. Was letztlich auch die Entwicklung eines fortschrittlichen Verkehrskonzeptes beschleunigen würde. Warum selbst fahren, wenn man (fast) kostenlos mit dem Bus fahren kann?

 

 

 

EINE WIN-WIN-SITUATION FÜR ALLE

Sei es ein effizienteres Ticketing-System, das ohne viel Papier auskommt, ein transparenteres Wartungssystem, das für mehr Klarheit sorgt oder ein Anreizsystem, für „neue Kundschaft“ sorgt. Blockchain besitzt das Potential, den öffentlichen Nahverkehr nachhaltig zu verändern und einen Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen. Die Fahrgäste profitieren von einem schnellen Ein- und Auschecken über eine zentrale App. Für die Verkehrsbetriebe bedeutet der Einsatz von Blockchain eine einfachere Abrechnung im Ticketing, als auch Planungssicherheit und weniger Stress durch weniger Fahrzeugausfälle.

 

Der Mehrwert von Blockchain endet nicht im öffentlichen Raum. Auch private Unternehmen können von der Technologie profitieren, ihre Prozesse optimieren, Arbeitsvorgänge neugestalten und Anreize für Kunden schaffen.

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