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Was vom Virus bleibt
Wie Corona den Food Sektor verändert

Die Auswirkungen der Pandemie sind für jeden zu spüren und machen auch vor der Nahrungsmittelindustrie nicht Halt. Deshalb wagen wir einen kleinen Blick in die Zukunft und fragen uns, was die Auswirkungen auf den Food Sektor sein werden.

BEITRAG VON

Jürgen Mühlbacher
Strategist

Covid-19 und der Food Sektor – das ganze klingt eher wie eine Dokumentation auf 3 Sat als die tiefgreifende Umgestaltung unseres Lebensalltages, die wir derzeit erfahren. Supermärkte dürfen nur noch mit Masken betreten werden, an Tischen in Restaurants sind nur noch vier Personen erlaubt, um Social Distancing zu gewährleisten, und die Nachbarn decken sich mit Dosenchili und WC Papier – scheinbar das Allheilmittel bei einer Apokalypse.

 

Doch irgendwann werden wir die Masken abnehmen und die Welt wird nie mehr so sein wie früher. Was übertrieben klingt, ist aber bereits jetzt Tatsache. Covid-19 wirkt nämlich wie ein Katalysator auf Trends, die im Food Bereich bereits länger existieren. Und rückblickend werden manche unserer derzeitigen Gewohnheiten so aus der Zeit gefallen scheinen, wie die Masken selbst.

 

 

BEGINNEN WIR MIT DEM LEBENSMITTELHANDEL.

War es vor einigen Monaten noch normal, in den Supermarkt zu gehen und seine Einkäufe nach Hause zu schleppen so wird das heute vom Zustelldienst erledigt. Natürlich gab es Online Lieferdienste für Lebensmittel bereits vorher, doch in der öffentlichen Wahrnehmung waren diese nur Randerscheinungen. Selbst als große Ketten wie Spar und Billa ihre Online Services starteten, fanden diese beim Kunden noch relativ wenig Anklang.

 

Natürlich nutzen einige die Website, um zu bestellen, aber der Großteil blieb beim gewohnten Einkauf in der Filiale. Doch mit dem Ausruf des Lockdowns sind Onlineshops für Lebensmittel regelrecht explodiert. Zustellfenster bei den großen Supermarktketten sind auf Wochen ausgebucht und auch Anbieter wie Adamah oder Bioigel kommen mit dem Zusammenstellen und Ausliefern ihrer Bauernboxen nicht hinterher.

 

Und dass Konsumenten in Zukunft auf den Komfort einer Lieferung frei Haus verzichten werden, ist fraglich. Besonders dann, wenn sie sich selbst von der Produktqualität überzeugen konnten, und somit die größte Hürde für Online Lebensmittelhändler genommen ist. Außerdem lernt man die Vorzüge des Einkaufens per Klick zu schätzen. Öffnungszeiten spielen keine Rolle mehr und auch das Warten an der Kasse gehört der Vergangenheit an. Für klassische Supermärkte bedeutet das, dass sich ihr Kerngeschäftsmodell verändert. Sie müssen dieses anpassen, um mit der Online Konkurrenz mithalten zu können.

 

Dass der Online Einkauf in der Lebensmittelbranche eine Chance sein kann, beweisen unzählige regionale und lokale Produzenten. Wurde vormals noch ein Aussterben des traditionellen Handwerkes beklagt, kommt es nun umso schneller über die Glasfaserleitung bis in das Wohnzimmer. Zu den zahlreichen Webshops der Produzenten gibt es auch Plattformen wie Markta oder Paradeisa. Diese haben es geschafft in kürzester Zeit eine solide Basis von Kunden und Anbietern aufzubauen und ermöglichen es so kleinen Manufakturen und Handwerksbetrieben viele potenzielle Kunden gleichzeitig anzusprechen. Dass dies funktioniert, liegt nicht nur an der derzeitigen Solidaritätswelle, sondern auch am Trend verstärkt lokal einzukaufen. So wird immer mehr Wert daraufgelegt, woher die Lebensmittel kommen.

 

Dabei bietet das Internet lokalen Produzenten die Möglichkeit, über den jeweiligen Bezirk hinaus Kunden anzusprechen. So kann sich ein Wiener Essigbrauer als Spezialist positionieren und durch sein Fachwissen über doppelte Gärung oder Himbeerkernöl von der Konkurrenz differenzieren. Dabei wird, manchmal zum ersten Mal, die digitale Customer Journey der Kunden mit den neuen Touchpoints berücksichtigt.

 

Auf Webseiten wird die Besonderheit des Unternehmens oder eine langjährige Firmengeschichte authentisch erzählt, bevor der Kunde zum Folgen auf dem neu erstellten Instagram Account aufgefordert wird. Während der Produzent dort Einblick in seinen Alltag gibt, baute er gleichzeitig eine Beziehung zum Kunden auf. Dieser kaufen schließlich nicht nur das Produkt selbst, sondern auch eine emotionale Geschichte, die damit einher geht – in Zeiten von Covid-19 eben nur digital. Für regionale Lebensmittel ist also auch in Zukunft gesorgt. Aber was, wenn man trotz Home-Office nicht die Zeit findet, selbst zu kochen?

 

 

IN DIESEM FALL FREUEN SICH DIE ANBIETER VON CONVENIENCE PRODUKTEN.

Als Erstes fallen einem da natürlich Mjam und Lieferando ein, doch besonders jetzt wächst die Zahl unabhängiger kleiner Zustelldienste. Besonders ländliche Regionen holen dabei auf, was in der Stadt bereits ein fixer Bestandteil der Gastronomie ist. Gastronomen müssen dabei schnell reagieren, und ihr Geschäftsmodell an die neuen Gegebenheiten anpassen. So bieten auch bekannte Betriebe wie das Steirereck oder der Stanglwirt die Möglichkeit, ihre Köstlichkeiten zuhause zu verzehren. Und auch Anbieter von Kochboxen, wie Hello Fresh, profitieren. Dabei bekommen Kunden eine Box mit allen Zutaten gesendet, die sie für die Zubereitung eines Gerichtes benötigen – Rezept inklusive. Damit schafft es selbst der Anfänger, ein ansehnliches Menü zuzubereiten, ohne das Haus verlassen zu müssen.

 

Die treibenden Kräfte dahinter sind die wachsende Anzahl an Singlehaushalten, eine zunehmende Snackification und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein. Kochboxen besetzten dabei die Marktlücke, die zwischen den Großpackungen, Singlehaushalten und einem kleinen Kühlschrank entstehen. Schließlich will man sich nicht den Rest der Woche nur von Karotten ernähren, nur weil man einmal zwei Stück für eine Bolognese benötigt. Ob nun Convenience mit oder ohne eigener Zubereitung – der Trend wird sich fortsetzen und eine Herausforderung für Gastronomen.

 

Diese waren besonders von der Quarantäne betroffen und stehen vor der Herausforderung, Gäste wieder in ihre Gastgärten zu locken. Doch nachdem diese nun wochenlang zuhause die Gelegenheit hatten jeden, Winkel der eigenen Wohnung kennenzulernen ist Abwechslung gefragt. Es ist unschwer zu erahnen, dass sie sich nach Events und Entertainment sehnen. Und dies wird auch in Zukunft zu einem wichtigen Element der Gastronomie. Gutes Essen alleine reicht nicht mehr aus, um Kunden langfristig zu halten. Gäste wollen Neuheiten, sei es in der kulinarischen Kreation, musikalische Erlebnisse oder noch besser als Gesamtkonzept. Essen ist bereits jetzt ein Ausdruck von Lifestyle und wird in Zukunft die persönliche Einstellung widerspiegeln.

 

Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist es nötig, seine Kunden noch genauer zu kennen als bisher. Was dabei hilft, ist es die Online-Aktivitäten der Kunden zu kennen. Welche Musik ist in der Zielgruppe gerade im Trend oder welche Themen polarisieren? Was der Wirt im Dorfgasthaus früher beim Feierabendbier erfahren hat, spielt sich jetzt im digitalen Raum ab. Es geht dabei allerdings nicht darum Likes zu sammeln, sondern Wünsche und Bedürfnisse kennenzulernen und ein passendes Lösungsangebot zu entwickeln. Und wer darauf noch am schnellsten reagiert, gehört auch in Zukunft zu den Gewinnern.

 

 

COVID-19 VERÄNDERT ALSO BEREITS UNSERE WELT GRUNDLEGEND.

Als Schlüsselelement kann man sagen, dass eine Digitalisierung von Dienstleistungen und Geschäftsmodellen weiter voranschreitet und teilweise einen Boost erlebt. Dabei führt die räumliche Isolation dazu, dass sich deren Stellenwert auch im allgemeinen Bewusstsein niederschlägt. Zu den Gewinnern zählen dabei Unternehmen, die schnell und agil reagieren können und ihre Geschäftsmodelle, Zielgruppen oder auch Vertriebswege an die jeweilige Situation anpassen. Dass dieser Umstellungsprozess nicht immer einfach ist, wissen wir aus erster Hand, doch mit unserer Expertise und Erfahrung helfen wir gerne dabei ihn erfolgreich zu meistern.

29.07.2020
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