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Der Salat wächst im Wohnhaus
im sechsten Stock links

Vertical Farming, vor einigen Jahren nur eingefleischten Innovationstreibern und Agrarexperten bekannt, gewinnt zunehmend an Bedeutung – für Investoren, Agrarindustrie sowie Konsumenten gleichermaßen. Aber was ist dran an Vertical Farming? Wird es die Agrarwirtschaft revolutionieren oder handelt es sich um einen teuren Hype? Die Antwort liegt unter anderem in den Wünschen und Bedürfnissen der Konsumenten.

BEITRAG VON

Die Agrarwirtschaft steht zweifelsohne vor großen Herausforderungen in der Zukunft. Laut einem UN-Report (2017) wird die Weltbevölkerung im Jahr 2050 von derzeit 7, auf 9 Milliarden Menschen anwachsen. Diese gilt es zu versorgen, daher ist in der Agrarwirtschaft eine Produktivitätssteigerung von ca. 70% notwendig. Doch bereits jetzt gehen jährlich 10 Millionen Hektar an Agrarflächen durch Erosion, Überdüngung oder intensive Landwirtschaft verloren (The Resource Outlook to 2050, Bruinsma). Zudem verändern Kunden zunehmend Ihre Konsumgewohnheiten.

 

Neben dem funktionalen Nutzen müssen Lebensmittel vermehrt soziale und ökologische Kriterien erfüllen, um die Wünsche der Konsumenten zu erfüllen. Herstellung ohne Chemie und dafür mit regionalen Produkten, rückt immer stärker in den Vordergrund. Die Landwirtschaft benötigt also eine innovative Lösung, die einerseits den Hunger der Welt auch in Zukunft stillen kann und gleichzeitig den Wunsch der Konsumenten, nach nachhaltiger, chemiefreier Ernährung erfüllt. Liefert Vertical Farming die Antwort darauf?

 

 

GEMÜSEANBAU – NEW YORK STYLE

Die Geburtsstunde des Vertical Farming war ein Projekt von Dickson Despommier, einem US-Mikrobiologen der Columbia University, im Jahr 1999. Seine Studenten suchten dabei nach Lösungen, um die Versorgung der Bürger New Yorks durch Nahrungsmittelanbau auf den Dächern zu gewährleisten. Da die vorhandenen Flächen aber zu klein waren, wurde ein Verfahren entwickelt, bei welchem Lebensmittel auf mehreren Ebenen angebaut werden konnten. Das Projekt war ein großer Erfolg, da Konsumenten in Ballungszentren nun täglich mit frischen Lebensmitteln versorgt werden konnten. Frisch aus dem Garten, mitten in New York. Der Trend in Richtung bewusste und gesunde Ernährung schuf schließlich eine Kundennachfrage, die es zu stillen galt. Vertical Farming hatte seine Daseinsberechtigung gefunden.

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KONSUMENT BESTIMMT GESCHMACK

Erste Vertical Farms nutzten dabei Techniken des Glashausanbaus wie Bewässerungs- oder Beleuchtungssysteme. Die nächste Stufe der Evolution war die Erweiterung dieses Ansatzes auf mehrere Ebenen sowie die Automatisierung derselben. Da die Pflanzenwurzeln entweder in einem Nährstoffbad liegen oder mit Nährstoffen besprüht werden, benötigen diese um 95% weniger Wasser als es mit konventionellem Anbau möglich wäre. Die genaue Steuerung der Nährstoffe sowie Beleuchtung ermöglichen es zudem Aussehen und Geschmack exakt zu kontrollieren.

 

Konsumenten erhalten dadurch Salat, ganz nach Ihren Wünschen. Mit wenig Bitterstoffen, sattem grün, groß/klein. Das bedeutet, dass Geschmack und Aussehen von Lebensmitteln in Zukunft auf die Kundenbedürfnisse angepasst werden können. Ein weiterer Vorteil ist zudem die Unabhängigkeit von Jahreszeit und Witterung. Wettereinflüsse können gezielt ausgeschaltet werden und durch die ganzjährige Produktion, werden mit Vertical Farms um bis zu 6-mal höhere Erträge als mit konventionellem Anbau erreicht. Konsumenten sind also ganzjährig mit frischem Gemüse versorgt, das in ihrer Nähe angebaut wird. Egal ob es schneit, regnet oder hagelt. Neben dem Zugang zu frischen Lebensmitteln, bedeutet das auch den Wegfall langer Transportwege. Zudem kann auf die sich schnell ändernden Konsumentenbedürfnisse schneller reagiert werden. Nun gilt es, die breite Masse mit an Bord zu holen.

 

 

KUNDEN UND IHRE WÜNSCHE

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey, ist Kunden beim Lebensmitteleinkauf besonders die Nachhaltigkeit ein Anliegen. Insbesondere die Nachfrage nach regionalen Produkten ist für 80% der Befragten von großer Bedeutung. Verbraucher sind dafür bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, die diese Kriterien erfüllen. Vertical Farming scheint die Antwort auf all diese Fragen zu sein, um Agrarwirtschaft und Konsumenten gleichermaßen glücklich zu stimmen. Doch warum sieht man in den Städten der Welt nicht an jedem Gebäude eine Vertical Farm?

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NEUE TECHNOLOGIEN UND IHRE TÜCKEN

Derzeit stehen dem großflächigen Einsatze besonders die hohen Kosten entgegen. Insbesondere Heizung und Beleuchtung sowie das derzeit noch teure Equipment führen dazu, dass Produkte, die aus Vertical Farms stammen, preislich noch nicht konkurrenzfähig sind. Dies erschwert natürlich die Listung in den Lebensmitteleinzelhandel. Ein weiteres Problem ist, dass derzeit nur Kräuter, Blattgemüse und spezielle Pflanzen wie Erdbeeren angebaut werden können, was die Auswahl des Konsumenten naturgemäß sehr einschränkt.

 

 

EDEKA ALS VORREITER

Der Lebensmitteleinzelhandel erkennt zunehmend den Mehrwert. Die deutsche Supermarktkette Edeka hat in ihren Filialen den „Kräutergarten im Supermarkt“, in welchem Vertical Farming genutzt wird, um Kunden täglich mit frischen Kräutern auf mehreren Ebenen zu versorgen. Schmeckt nicht nur gut, sondern sieht auch gut aus. Die Firma Agrilution hat zudem ein Produkt für den Privatbereich entwickelt, mit dem Kunden in ihren eigenen 4-Wänden der Gemüsewirtschaft frönen können. Die Technologie hält also Step-By-Step Einzug. Ein stärkeres Bewusstsein für gesunde Ernährung und der steigende „grow your own“-Trend können diese Entwicklung weiter verstärken. Die Zukunft bleibt also spannend. Vielleicht wächst also wirklich bald der Salat im sechsten Stock links. Wunschaussehen und -geschmack inklusive.

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